Zuhören


 Hatori    01.12.2020 - 06:00
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Hören kann (fast) jeder, ZUHÖREN ist etwas ganz anderes

Zuhoeren

Was Ihr hier oben seht, ist das Kanji für Zuhören, offizielle Bezeichnung ist Ting. Ich habe Euch zu den einzelnen Zeichen separat die Übersetzung dazu geschrieben, die Interpretation überlasse ich jedem Einzelnen selbst. Nur eines möchte ich erwähnen: Der Redner sollte der König sein - für den Zuhörer.

In unserer schnelllebigen Zeit ist es eine Unsitte geworden, sich gegenseitig nicht mehr wirklich zuzuhören. Ich erlebe es regelmäßig im Training wenn ich etwas erkläre. Die meisten hören zwar hin, aber sie hören nicht zu. Oft sieht man in den Gesichtern ganz genau, dass die Gedanken ganz woanders sind. Das ist nicht schön für den, der redet, denn er fühlt sich ignoriert. Irgendwann fragt er sich, warum er überhaupt redet und denkt sich, ok, gehen wir wieder zum Lernen mit den Augen über … oder lernen durch Schmerzen. Beides funktioniert nur zum Teil.

Speziell jüngere Leute lernen heute nicht mehr mit den Augen, die Gesellschaft hat ihnen das abgewöhnt. Eigentlich unverständlich, wo die Welt doch fast nur noch über visuelle Reize gelenkt und gesteuert wird. Lernen durch Schmerzen funktioniert auch nur bedingt, es setzt voraus, dass der andere eine relativ schnelle Auffassungsgabe hat.

Zuhören muss man lernen und kann man lernen. Man legt das Handy einfach mal zur Seite (ok, das Ding ist im Training eh verboten), man wendet sich dem zu, der redet und man lässt die Worte nicht gleich zum zweiten Ohr wieder raus sondern gestattet ihnen ein kurzes Verweilen zwischen den Ohren.

Andererseits muss man aber auch etwas zu sagen haben, wenn man möchte, dass andere zuhören. Es wird heute soviel warme Luft geredet, dass es teilweise tatsächlich schwerfallen kann zu unterscheiden, ob es sich gerade lohnt zuzuhören oder nicht.

Reden wir mal nicht vom Training. Als Lehrer ist man oft auch Seelentröster, Jobberater, Psycho-Doktor, Personal Coach, Life Coach, Gesundheitscoach und und und … Ich habe das lange gemacht und versucht, die Probleme zu lösen, die meine Schüler oder auch andere Menschen an mich herangetragen haben. Ich sage Euch, tut Euch das nicht dauerhaft an, es macht Euch fertig. Hört Euch die Probleme Eurer Schüler an, aber löst sie nicht, das müssen sie selber tun. Als „Coach“ solltet Ihr nicht die Probleme der anderen lösen, ihr solltet aber zuhören. Denn oft ist das schon das größte Problem von dem, der redet, dass ihm eben niemand wirklich zuhört. Oft ist er gerade fertig mit reden, da bedankt er sich schon und Ihr wisst gar nicht wofür. Er hat sein Problem aussprechen können, damit hat er es auch analysiert und somit in vielen Fällen auch schon die Lösung gefunden.

Voraussetzung ist aber, siehe oben, dass er die ganze Zeit, die er redet, das Gefühl hat, er ist gerade Euer König. Wenn Ihr nebenbei den Blick nicht vom Handy kriegt, herzhaft ins Wurstbrot beißt oder auf den Fernseher starrt (da redet dann meist Eure Frau / Euer Mann mit Euch), dann fühlt er sich nicht für voll genommen, selbst wenn Ihr hinhört und sogar zuhört, es kommt beim Anderen nicht an. Also ignoriert alles um Euch herum und wendet Eure volle Aufmerksamkeit dem Anderen zu. "Zuwenden" meine ich hier wörtlich, dreht Euch zu ihm, schaut ihn an, zeigt ihm, dass er Eure Aufmerksamkeit hat. Er sollte wirklich das Gefühl haben, er ist im Moment die wichtigste Person auf der Welt, nur dann wird er auch wirklich sein Problem richtig formulieren und zum Ausdruck bringen (was ihn schon wieder einen Schritt näher zur Lösung bringt). Zeigt Euer ernstes Interesse an dem, was der Andere sagt. Unterbrecht ihn nicht, lasst ihn ausreden.

Es ist schon irgendwie traurig, dass man darüber heutzutage reden (schreiben) muss, früher waren das Selbstverständlichkeiten, man nannte es Höflichkeit. Keine Bange, ich komme Euch jetzt nicht mit dem Spruch „Früher war alles besser.“ War es nicht, jede Zeit hatte ihre guten und schlechten Seiten. Die Zeiten haben sich geändert, manches ist besser geworden, manches nicht. Aber eines ist immer gleich geblieben: Menschen haben Probleme und suchen nach Menschen, die sich diese Probleme anhören.

Würden Menschen mehr miteinander reden UND sich gegenseitig auch zuhören, wäre diese Welt ein deutlich besserer Ort.

"ATTAINING THAT WHICH WE NEED WHILE MAKING THE WORLD A BETTER PLACE" (Takamatsu Sensei)
Er hat es in einem etwas anderen Zusammenhang gesagt, doch er redet vom Ninjutsu, also vom Leben … also passt es auch hier zum Thema.

In diesem Sinne wünsche ich Euch eine friedliche, besinnliche Vorweihnachtszeit, ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Redet miteinander und HÖRT Euch auch gegenseitig ZU.

Weihnachtszeit








Diese News sind von Kuroi Fenikkusu Dojo Kampfsportverein e.V.
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