Kiai-Jutsu


 Hatori    01.05.2020 - 06:00
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Schreien? Kann man machen, muss man aber nicht.

Wenn Menschen von einem Kiai sprechen, meinen sie fast immer den Kampfschrei. Gehen wir kurz darauf ein. Was passiert bei dem Schrei? Der Ausführende atmet stoßartig aus und formt die ausgestoßene Luft zu einem Schrei. Richtig ausgeführt, ergibt das eine ziemlich heftige psychologische Wirkung auf den Gegner. Aber was, wenn man in einer Umgebung / Situation kämpft, in der es angebracht ist, still zu sein? Kann man dann kein Kiai-Jutsu nutzen?

Doch, natürlich kann man das und sollte es auch tun, es erleichtert vieles. Kiai-Jutsu beschreibt im eigentlichen Sinn "nur" eine korrekte, kontrollierte Atemtechnik. Während des Ausatmens nutzen wir die entweichende Energie für die Technik, die wir gerade ausführen. Dadurch wird diese verstärkt, wie sehr, hängt ganz von Deinem Stand und Können ab. Durch das folgende Einatmen ziehen wir wieder Energie aus der Umgebung und nehmen sie in uns auf.

Ich sehe förmlich die Fragezeichen über Deinem Kopf. Du fragst Dich, wie Du Kiai lernen, üben, verbessern kannst.
Ganz einfache Antwort: Ziemlich zu Beginn Deines Trainings lernst Du die Sanshin no Kata (Formen der fünf Elemente). Und genau diese Formen bringen Dir das richtige Atmen bei. Vergiss mal einen Moment die Bewegungsfolge und konzentriere Dich darauf, wie Du atmen sollst.
Du weißt nicht, wie Du atmen sollst? Schlecht, dann hat es Dein Lehrer entweder nicht richtig erklärt oder (wahrscheinlicher) Du hast nicht richtig hingehört oder es verdrängt, weil Dir nicht bewusst war, wie wichtig das ist. Geh also zu Deinem Lehrer und frage ihn nach den Atemtechniken in den verschiedenen Elemente. Ich habe schon in verschiedenen Beiträgen immer wieder auf die Wichtigkeit der Basic hingewiesen. Hier hast Du schon wieder einen guten Grund dafür. Willst Du Deinen Kiai verbessern, mache täglich mindestens einmal die Sanshin no Kata, atme konzentriert und ganz bewusst. Erst wenn der Atem automatisch das macht, was gerade nötig ist, wirst Du ganz langsam hinter die "Geheimnisse" des Kiai-Jutsu kommen.

Nehmt Euch auch im Training die Zeit, die Form, welche Ihr gerade trainiert, bewusst mit der Atmung zu verbinden. Ab einem bestimmten Level wirst Du merken, wie die Form leichter und leichter wird, wie sich manche Griffe, Hebel, Würfe, Schläge trotz weniger Körpereinsatz immer leichter anfühlen. Und es fühlt sich nicht nur so an, es ist tatsächlich auch so. Aber das merkt UND glaubt man erst wirklich, wenn man es zumindest teilweise hinkriegt, also selbst erfahren hat. Es ist wie mit so vielem - andere Menschen können einem viel erzählen ... man muss es selbst tun und die Erfahrung machen, erst dann wird es zur Realität.

Von daher wiederhole ich mich gern ein weiteres Mal: Neue Formen lernen ist gut und wichtig, die Basic nicht zu vernachlässigen ist jedoch noch wichtiger. Neue Formen nutzen Euch nichts, wenn Ihr körperlich nicht in der Lage seid, sie auszuführen, weil Euch die nötige Energie fehlt.

Energie ist überall um uns herum, wir sollten lernen, sie möglichst effektiv zu nutzen. Grundlage dafür ist die Atmung - ohne Atmung, ohne Atem kein Leben. Unser Leben beginnt mit einem kräftigen Einatmen sobald wir den Mutterleib verlassen und endet mit einem Ausatmen wenn wir diese Welt hinter uns lassen - das dazwischen ist Leben. Jeder einzelne Atemzug spiegelt Geburt, Leben und Tod wieder. Ein ganzes Leben in einem Atemzyklus, warum sollten wir das vernachlässigen? Nein, wir sollten es nutzen, intensiv und effektiv. Nutzt die Sanshin no Kata dafür, wofür sie gedacht ist - lernt richtig und bewusst zu atmen.

... Ihr wisst schon ... mal drüber nachdenken ...








Diese News sind von Kuroi Fenikkusu Dojo Kampfsportverein e.V.
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