Finde den Mut zum Fehler


 Hatori    01.04.2020 - 06:00
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Menschen lernen neue Dinge, weil sie Fehler machen

Wieder eine Übersetzung aus dem Blog von Arnaud Cousergue, sie passen zum Thema aus dem letzten Monat und auch inhaltlich gehören sie zueinander, daher wollte ich sie nicht auf zwei Monate verteilen.
Hier die Originale: https://kumablog.org/2019/12/05/are-you-a-failure/ und https://kumablog.org/2019/12/10/make-mistakes-by-doing-new-things/


Hast Du schon Fehler gemacht, versagt? Ich hoffe es für Dich, denn das ist gut und der beste Weg, unsere Fähigkeiten zu verbessern. Als Du gelernt hast, Fahrrad zu fahren, war es nicht einfach, aber Du hast es geschafft. Das war auch so, als Du schwimmen gelernt hast. Ich bin sicher, wenn Du heute Fahrrad fährst oder schwimmst, denkst Du nicht mehr darüber nach, wie Du es machen musst, Du tust es einfach, komplett ohne darüber nachzudenken. Scheitern (Fehler machen) ist der beste Lehrer, den Du finden kannst, er leht Dich viel mehr als der Erfolg.

Edison sagte, er habe 1.000 Versuche gebraucht, um eine funktionierende Glühlampe zu entwickeln. Ein Journalist sagte daraufhin, dass er 1.000x versagt hätte, doch Edison antwortete: "Nein, ich habe nicht 1.000x versagt, ich habe 1.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert." Das ist die Art von Einstellung, die Du haben solltest, wenn Du Budo lernst.

Im Westen verbietet uns unsere Gesellschaft, zu scheitern. Dies ergibt sich aus unserer katholischen Erziehung, unserer Lebensphilosophie und unserer Kultur. Aber im Osten sehen sie das Scheitern anders. Sie halten es für eine Chance, es besser zu machen.

Scheitern heißt im Japanischen Shippai (失敗, Shippai; Fehler, Scheitern). Es besteht aus zwei Kanjis. Das erste steht für Fehler, das zweite für Scheitern, Versagen. Wir scheitern, weil wir einen Fehler machen und wir machen einen Fehler, weil wir noch nicht gut genug sind. Das beschreibt den Lernprozess. Was auch immer Du lernst, wird Zeit brauchen, bis Du es meistern kannst. Und Du brauchst einen Mentor, Lehrer, Sensei, der den Lernprozess helfend begleitet.

In Japan gibt es eine Serie aus drei Konzepten: Taihen, Kuden, Shinden. In allen Worten ist das letzte Kanji "Hen" oder "Den", was soviel wie Übertragung oder auch Veränderung bedeutet.

  • Taihen (大伝)ist der Körper, die physische Übertragung, welche durch stetige Wiederholung erlernt wird.
  • Kuden (口伝) ist das aus Erfahrung erlernte Wissen (machen, lernen, erforschen).
  • Shinden (神伝) ist das tief verwurzelte Wissen, wie von den Göttern selbst übermittelt.

Der menschliche Lernprozess folgt immer diesem gleichbleibendem dreistufigem Muster.

Zunächst lernst Du Schritt für Schritt die körperliche Bewegung. Geschwindigkeit und Kraft sind völlig unwesentlich, langsam beginnen und noch langsamer steigern. Was man langsam nicht kann, kann man schnell gleich gar nicht.
Hier wirst Du regelmäßig scheitern, nach und nach lernst Du, es besser zu machen. Ganz langsam wirst Du jetzt auch schneller.
Im dritten Schritt nimmst Du die Erfahrungen, die Du bisher gesammelt hast. Du hörst auf darüber nachzudenken, wie die Bewegung ausgeführt werden soll, Du tust es einfach.
Doch der Lernprozess hört hier nicht auf, es geht auf der nächsten Stufe weiter. Sobald Du das erste Shinden erreicht hast, beginnt das nächste Taihen, dann das nächste Kuden und wieder folgt Shinden. Dies ist ein kontinuierlicher Prozess, Perfektion wird angestrebt, wird aber nie erreichbar sein. Bei jeder Ausführung lernst Du ein wenig dazu, höre damit nie auf. Überschreite die Grenze Deines Wissens und verbessere so Deine Fähigkeiten jeden Tag weiter und weiter.
Ich sehe diesen Prozess als eine Quelle. Jede volle Umdrehung auf der Spirale nach oben bringt Dich weiter, bringt Dir mehr Wissen. Man macht Fortschritte, indem man immer und immer wieder dieselben Dinge wiederholt, bis man ein neues Level erreicht. In diesem neuen Level lernst Du wieder neue Sachen.

Das ist der Grund, warum es so wichtig ist, nie aufzugeben. Perfektion braucht Zeit und basiert auf vielen Fehlern - man muss lernen, besser zu scheitern. Seno Sensei sagte, wenn man eine Form lernt, macht man viele Fehler. Nach vielen Wiederholungen werden die Fehler kleiner. Und eines Tages hast Du es, aber es gibt immer noch Raum für Verbesserungen.

Hatsumi Sensei hat dafür einen schönen Satz um es zu erklären: "Schon mal probiert? Jemals gescheitert? Ganz gleich! Versuch es noch einmal. Wieder fehlgeschlagen. Besser gescheitert!" (aus dem Buch "Understand? Good. Play." von Benjamin Cole)

Bist Du nun bereit, ein besserer Versager zu sein?

Du musst Fehler machen um Dein Taijutsu zu verbessern. Ich sprach über Shippai, scheitern. Shippai bedeutet aber auch Fehler (失敗, Shippai: Misserfolg; Fehler). Wie so oft in Japanisch, kann eine Handlung (Fehler) ein Resultat haben (Misserfolg, scheitern).

In dem Moment, da Du Dich für eine Änderung, einen Wechsel entscheidest, wirst Du Fehler machen. Genau dadurch aber verbessern sich Deine Fähigkeiten.
Albert Einstein sagte: "Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, hat noch nie etwas Neues ausprobiert."
Wir müssen aufhören, Angst vor Veränderung zu haben, statt dessen sollten wir immer neue Dinge ausprobieren. Das ist der Weg, den Sensei uns zeigt, damit verbessern wir unser Taijutsu, entwickeln es weiter. Akzeptiere diesen Fakt, besser heute als morgen - ich weiß, wie schwer es ist, diese Entscheidung in die Tat umzusetzen.

Menschen zögern oft, ihre Komfortzone zu verlassen, sie vermeiden es, neue Dinge auszuprobieren. Menschen lieben Routine, hassen Veränderungen. Und das, obwohl wir wissen, das es im Leben (oder auch im Kampf) nur darum geht, ständig Veränderungen zu akzeptieren.
Wusstest Du, das "Henka", was wir einfach als "Variation" übersetzen, auch "Anfang und Ende der Veränderung" bedeutet (変化, Henka - Veränderung, Variation, Mutation, Übergang, Transformation, Wandlung, Metamorphose).

Weil wir Fehler machen, können wir sie korrigieren und unser Taijutsu verbessern. Jedes neue Lernen oder jede weitere Maßnahme, die wir ergreifen, wird dazu führen, dass wir scheitern. Das Akzeptieren unserer Fehler ist der beste Weg, um eines Tages zu glänzen. Bei jedem Versuch ändern wir die Form, bis wir den richtigen Weg dazu gefunden haben. Was falsch ist, wird gut und richtig. Aber diese Art zu trainieren verlangt nach Entspannung. Aus diesem Grund kann Steifheit im Körper oder im Geist während des Trainings nicht sein. Hatsumi Sensei sagt uns oft, wir sollen uns entspannen. Nur wenn Du alle Spannungen löst, ist diese Änderung möglich.

In einem alten Interview erklärte Sensei: "Was nicht natürlich ist, steht nicht im Einklang mit dem Leben. Das Leben ändert sich ständig, alles entwickelt sich von Natur aus, weil nichts statisch ist. Aus dieser Perspektive ist alles, was dazu neigt, statisch zu bleiben, nicht natürlich. Und damit, weil es gegen die Natur geht, ist es zum Verschwinden verurteilt, denn es ist fruchtlos. " Die neun Schulen überlebten all diese Jahrhunderte, weil sie nicht statisch blieben.

Menschen lernen Neues, indem sie Fehler machen. Der verstorbene Senō Sensei sagte uns, dass wir beim Erlernen einer neuen Form zunächst große Fehler machen. Und dann machen wir durch Wiederholung kleinere, bis sie fast verschwunden sind. Schritt für Schritt bekommen wir die richtige Bewegung und machen es richtig.

Das Wort "Machigai" bedeutet ebenfalls Fehler (間違い, Machigai: Fehler, Unfall, Missgeschick, Problem, Schwierigkeit). Akzeptiere bitte "Machigai" und nicht "Machigae", "warten auf Veränderung" (待ち替え, Machigae: Machi - warten, Wartezeit, Gae - Veränderung, Änderung, Ersatz).

Veränderung zu akzeptieren ist der Schlüssel zur Anpassung und zur natürlichen Bewegung.








Diese News sind von Kuroi Fenikkusu Dojo Kampfsportverein e.V.
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