Das kann ich nicht


 Hatori    01.03.2020 - 06:00
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Stellt sich die Frage: Hast Du es schon probiert?

Es gibt viele Übungen, die man im Training ansagt und oft höre ich dann "Das kann ich nicht."

Zum Einen: "Kann ich nicht" heißt soviel wie "Will ich nicht." Das ist nicht wirklich akzeptabel. Mögliche Antworten, die ich persönlich akzeptieren kann, wären "Kann ich NOCH nicht" oder auch (eine ehrliche Variante) "Traue ich mich nicht." Bei beidem hilft üben. Da ist der Trainer gefragt, er muss dem Schüler vorsichtig die Angst nehmen, ihm Tipps geben um die Übung zu erleichtern. Oft habe ich das Problem bei Oten (Rad schlagen). Die Zeiten, als man das schon in der Schule im Sportunterricht gelernt hat, sind leider vorbei und gerade bei älteren Jugendlichen oder Erwachsenen wird es schwer. Geduld ist gefragt, vom Lehrer genau wie vom Schüler. In ganz kleinen Schritten ganz langsam zum Ziel kommen. Ob das zwei Wochen, zwei Monate oder zwei Jahre dauert, das ist völlig unerheblich.

Zum Anderen: Eine weitere Antwort, die ich oft höre: "Hab ich noch nie gemacht, das mach ich auch in Zukunft nicht." Die typische Bock-Einstellung kleiner Kinder also, aber wenn die bei Jugendlichen oder Erwachsenen zu beobachten ist, dann ist das kein Spaß. Wer nichts machen, probieren, testen, lernen will, was er noch nie gemacht hat - was will der beim Kampfkunsttraining? Solche Leute sollten auch nicht lernen, wie man schlägt, kickt und hebelt. Kommen sie nur deswegen zum Training? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sie damit dann auch noch Unsinn anstellen. Also schon ein gutes Indiz, mit solchen Schülern vorsichtig zu sein.

Aber aufpassen, als Lehrer hat man eine Verantwortung. Grabt sachte und einfühlsam den Grund für die totale Verweigerung aus, es ist nicht immer nur Sturheit, manche Weigerung hat tiefergehende Gründe, denen sollte man vorsichtig auf den Grund gehen. Dann ist es eventuell möglich, die Blockade aufzubrechen oder sie zu akzeptieren. Wenn es körperliche Hinderungsgründe sind, dann sollte man eine Möglichkeit finden, diese zu umgehen. Sind es dagegen psychologische Gründe, etwa ein traumatisches Erlebnis aus frühen Jahren, dann sind wir als Lehrer in der Pflicht, das Problem zu lösen. Das müssen oder sollen wir nicht zwingend allein machen, oft fehlt uns das nötige Wissen dafür. Dann versucht, professionelle Hilfsangebote zu unterbreiten, aber auch das mit der gebotenen Vorsicht. Geht man da zu forsch ran, wird man die Abwehrhaltung möglicherweise nur verstärken.

Wie es überall in unserer Kampfkunst ist, sie spiegelt jeden Aspekt des Lebens wieder. Gehen wir also mal vom Ninjutsu weg und wenden uns dem "anderen" Leben zu. Sobald Du auch nur einmal mit dem Spruch "Das kann ich nicht" rüber kommst, hast Du diese Runde im Leben verloren. Du kommst keinen Schritt weiter und schlimmer noch - Du nimmst Dir die nachfolgenden Möglichkeiten.
Das ist der Grund, warum die meisten Menschen den sogenannten "9 to 17 day" bevorzugen. Da haben sie (noch) die größtmögliche Sicherheit in ihrem Leben. Dazu kommt die deutsche Mentalität, was Gewinner und Verlierer angeht. In Deutschland darfst Du nicht versagen, schon gar nicht als Unternehmer, es heißt dann sofort "Mach was anderes, das ist nichts für Dich, das musst Du doch merken." Und schon bist Du als Verlierer abgestempelt, bei Verwandten, Bekannten, Arbeitgebern, Banken und Ämtern, niemand wird helfen.
Aber Fakt ist - nur durch Fehler lernt man. Ja, die können auch mal schmerzhaft sein (körperlich oder psychisch oder beides), aber anders wird es nichts. Man kann noch soviel theoretisches Wissen im Kopf haben, nur der Praxistest bringt den Menschen voran.
Ich halte nicht viel von den USA, aber in dieser Beziehung sind uns die Menschen dort einen riesigen Schritt voraus. Denn da heißt es "Du bist gefallen, na und, warum liegst Du noch? Steh auf, versuch es nochmal." DAS ist die richtige Einstellung. Und wenn es 5x schief geht oder 10x, steh eben 5x wieder auf oder 10x. Aber mit Angst und der Einstellung "Das kann ich nicht" wird daraus nichts. Lass los, steh auf und mach weiter. Selbst bei Sachen, die Du besonders gut kannst, gibt es immer eine Stelle, die schwierig ist. Sobald Du diese Hürde das erste Mal überwunden hast, wirst Du Dich fragen, warum Du das nicht früher gemacht hast. Es kostet Mut und Überwindung, aber im Endeffekt lohnt es sich. Wer immer nur 100% gibt, erfährt nie was passiert, wenn er einmal 110% oder mehr gibt.

Streicht die Wortkombination "Das kann ich nicht" aus Euerm Sprachgebrauch und tut es einfach, auch wenn dieses "einfach" manchmal verdammt schwer ist.

"Geh nicht immer auf dem vorgezeichneten Weg, der nur dahin führt, wo andere bereits gegangen sind. (Alexander Graham Bell)"

Und wie immer ... mal drüber nachdenken ...








Diese News sind von Kuroi Fenikkusu Dojo Kampfsportverein e.V.
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