Verstehen ...


 Hatori    01.03.2021 - 06:00
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… beginnt mit der ersten Bewegung und dem ersten Wort.

Wenn du die erste Bewegung nicht verstehst, die ich dir gezeigt habe, wie kannst du dann erwarten, dass du die nächste Bewegung machst? Entwickle eine Bewegung nach der anderen ... Das Leben ist gleich. Das ist es, was ich lehre.
- Masaaki Hatsumi

Hier liegt das große Problem vieler Anfänger. Sie wollen alles auf einmal und vergessen dabei, dass schon der erste Schritt, die erste Bewegung, den Erfolg oder Misserfolg bestimmt. Stimmt der Winkel nicht, stimmt die Distanz nicht, stimmt der Zeitpunkt nicht, wird alles, was danach kommen soll, nicht funktionieren bzw. gar nicht erst zur Ausführung kommen.

Geduld ist der Schlüssel UND ein gesunder Menschenverstand. Es geht in erster Linie nicht um die Bewegung, es geht um das Verständnis, warum, wie und wann. Dafür muss man denken und verstehen.

Viele Menschen halten die heutigen MMA-Kämpfer für tumbe Schläger mit einem Hang zu Gewalt, Sadismus und auch einer Portion Masochismus. Dem ist aber nicht so. Wer in den Käfig geht und nur Zerstörung im Kopf hat, wird schneller am Boden liegen als er bis drei zählen kann.
Wer heute in den Käfig geht, braucht eine gute Portion Intelligenz. Er muss seinen Gegner kennen und dessen bevorzugte Kampfweise, er muss sehen, wie und wohin sich der Gegner bewegt, daraus die Schlüsse ziehen, was als nächstes kommen soll und die entsprechenden Gegenmaßnahmen bereit haben. Und das alles innerhalb von Sekunden oder Bruchteilen davon. Das ist die hohe Kunst der Kämpfer, die richtige Taktik zu finden um letztendlich die eigene Strategie erfolgreich durchzusetzen.

So ist es auch im Ninjutsu. Ohne Intelligenz und logisches Denken wird man nicht verstehen, was man tut. Das ist nur Nachahmen und in einer realen Situation nicht anwendbar. Bewegt sich ein Angreifer nur wenige Zentimeter anders als der Partner im Training, wird der „Nachahmer“ die Situation nicht beherrschen.
Wer aber verstanden hat, der wird in der Lage sein, die Situation zu erkennen, seine Gegenmaßnahmen korrekt anzupassen und das „Problem“ entsprechend auflösen können.

Und auch hier wieder gilt dies nicht nur in einer körperlichen Konfrontation sondern in jeder Lage des Lebens. Wer weiß, wann er mit seinen Worten und Handlungen ausweichen, zurück gehen oder angreifen kann / soll / muss, der wird auch vor dem Chef bei der nächsten Gehaltsverhandlung nicht kneifen sondern die gewünschte Erhöhung aushandeln können ohne direkt in „Ungnade“ zu fallen. Eher im Gegenteil, die (guten) Vorgesetzten werden dieses Geschick erkennen und für die Firma einsetzen können. Eine typische Win-Win-Situation, beide Seiten gewinnen und erzielen Vorteile.

Worum geht es also letztendlich? Lernen und verstehen, was das Leben uns beibringen will. Nicht zu verwechseln mit dem stupiden, sinnlosen Auswendiglernen im heutigen Schulsystem. Wir lernen nur wirklich sinnvoll vom Leben. Dazu müssen wir das Vergangene analysieren, es für die Gegenwart anpassen und unseren Kindern (Schülern) für die Zukunft weitergeben. Und die müssen wieder dasselbe tun, denn das, was wir ihnen beibringen, ist für sie schon wieder Vergangenheit.

… mal drüber nachdenken.

Das ist für dieses Jahr dann auch der letzte Blog-Eintrag. Mir gehen die Themen aus und von meinen Schülern hilft niemand. Also werde ich Themen sammeln, wenn sie nachgefragt werden und dann in 2022 (hoffentlich) weitermachen.